Sie stand schweigend am Fenster und sah auf die nasse Strasse, schwere Regentropfen schlugen ans Fenster, nur verschwommen konnte sie die Aussenwelt erkennen. Sie schniefte leise, sie beachtete ihre Tränen nicht weiter, die unaufhörlich über ihr Gesicht rannen. Sie starrte einfach weiterhin durch die Scheibe und versuchte sich zu erinnern....
Wielange war das schon her das sie ihr Selbst verloren hatte?
Jahre, Monate, Tage oder doch nur Stunden, Minuten, Sekunden......
Sie sah zu, wie der Sturm draussen zunahm, die Bäume hin und her zerrte, genauso fühlte sie sich auch, hin und her gerissen, dem Wind hilflos ausgeliefert.
Sie sah die Menschen die sich auf der Strasse ihren Weg durch das Unwetter bahnten, die versuchten sich mit Schirmen oder ihren Jacken gegen den Regen zu schützen.
Verzweifelt lachte sie schrill auf, sie wusste es würde den Menschen nicht gelingen, wenn der Sturm es wollte würde er die Leute dort draussen mit sich reissen, wegfegen.
Sie selber war durch solch ein Unwetter der Gefühle gerannt, ohne Schutz, nur sich selber überlassen und völlig hilflos.
Der Wind hatte an ihr gezerrt, der Regen ihr ins Gesicht gepeitscht und der Sturm hatte sie mit sich gerissen, hinab ins Dunkle.
Sie fühlte sich selbst in Menschenmassen völlig einsam, sie war alleine.
Ohja sie hatte Freunde, doch denen hatte sie den Rücken gekehrt, niemand sollte sie je wieder verletzen können. Niemand......ausser sie selber.
Langsam drehte sie sich um und ließ die Strasse, die Menschen, die Welt hinter sich.
Sie war ganz ruhig, nur ihre Hände zitterten etwas.
Sie ging langsam durch den Raum, streifte mal hier mal dort mit ihren Fingern über Bücher oder Bilder, ihren Blick in weiter Ferne gerichtet.
Gedankenverloren zündete sie ein paar Kerzen an und nahm die kleine Holzschatulle an sich die immer am selben Platz auf dem Kaminsims stand.
Dieses wunderschöne Kästchen hatte sie einst selbst gefertigt und in den Deckel war eine verwelkte Rose eingefasst.
Sie strich langsam mit ihren Fingern darüber, fast zärtlich strich sie über das Holz.
Sie drehte sich wieder dem Fenster zu, durch das sie erkennen konnte, das draussen immer noch der Sturm tobte.
Auch in ihrem Inneren spürte sie ein Unwetter aufziehen, sie spürte die Leidenschaft des Sturms in sich, das biegen der Bäume, die Blitze in ihrem Herzen.
Sie wurde leicht unruhig und wiegte sich mit geschlossenen Augen hin und her, das Kästchen heftig an sich gedrückt.
Sie schritt langsam auf das Fenster zu, immer noch hatte sie ihre Augen geschlossen und legte eine Hand an die Scheibe, die sich eiskalt anfühlte.
So eiskalt wie sie sich in ihrem inneren fühlte.
Sie stellte die Schatulle auf der Fensterbank ab, ganz sachte, als könnte sie zerbrechen und öffnete sie.
Sie nahm das feingeschliffene Messer heraus und ließ es durch ihre Finger gleiten.
Sie berührte den Stahl, als wäre es keine Klinge, sondern ein Liebhaber, den sie erfühlen, streicheln, liebkosen wollte.
Sie zog langsam die scharfe Klinge über ihre Haut, und sah zu, wie die erste feine rote Linie sich bildete, wie langsam das Blut hervorrquoll und sich sammelte um zu Boden zu fallen.
Sie war gefesselt von diesem Anblick, sie fand es schön, diese roten Tränen zu sehen, den körperlichen Schmerz zu fühlen, sie fühlte sich wie im Rausch.
Immer wieder zog sie mit dem Messer lange Schnitte und nur das stete Geräusch der fallenden Tropfen durchstach die Stille im Raum.
Sie sah ihren Arm an, der feucht und rot von ihrem Blut war.
Sie lächelte, seid langer Zeit lächelte sie mal wieder.
Sie besah sich ihr Handgelenk, sah die Adern unter der Haut pulsieren und fühlte sich plötzlich angenehm gelöst.
Sie durchbrach die Stille indem sie sprach :“ Nie wieder wird mir jemand wehtun!“
Sie setzte die scharfe Klinge genau an ihrem Handgelenk an, verstärkte den Druck und spürte die Klinge ins Fleisch eintauchen, doch da war kein Schmerz, nur unsägliche Freude.
Sie zog langsam das Messer vom Handgelenk bis hoch zum Ellbogen und schaute etwas erstaunt und interessiert dabei zu, wie das Blut aus ihren nun geöffneten Adern schoss.
Sie fühlte sich unheimlich erleichtert.
Sie hob den Arm und drückte ihre Hand an das Fenster, die Kälte nahm sie nicht mehr wahr, sie fühlte sich nur angenehm müde, sie wollte nur noch schlafen und der so kalten stürmischen Welt entfliehen....schlafen.....
Sie schaute noch einmal mit halbgeöffneten Augen auf die Strasse, hinein in den Sturm und glitt dann langsam an der Scheibe hinunter, wobei sie eine rote Spur am Fenster hinterliess. Sie sank auf den Boden, lehnte sich mit dem Rücken an die Wand und schloss die Augen. Sie spürte wie sie in sanften Schlaf überging und fand endlich ihren Frieden.


Am nächsten Tag war noch keiner darüber erstaunt das die junge Frau, die sich in letzter Zeit immer mehr in sich selber zurückgezogen hatte nicht bei der Arbeit erschien. Weder ihr Arbeitgeber, noch die Kollegen hatten engen Kontakt zu ihr. Nie hatte jemand gefragt wieso sie selbst an heissen Sommertagen nur langärmelige Kleidung trug, nie hatte sich jemand dafür interessiert wenn sie wieder weinend am Schreibtisch saß, niemand hatte sie jemals gefragt was sie hätte oder ihr angeboten zuzuhören. Nie hatte jemand auf ihre zögerlichen Versuche reagiert, Kontakte zu knüpfen. Sie war seltsam, still und klug. Niemand wollte sich mit ihr abgeben, niemand wollte ihre Tiefen erforschen oder sie näher kennen lernen, denn sie war still und seltsam. Sie strahlte Freundlichkeit aus, aber niemand wollte diese annehmen.
Keiner bemerkte wie es ihr ging, es wollte niemand sehen, es war ihnen egal.

Auch nach zwei Tagen, drei Tagen war noch keiner wirklich beunruhigt.
Nur eine Person, eine einzige machte sich Sorgen.
Die ältere Nachbarin wunderte sich, das sie die junge Frau nicht mehr am Fenster stehen sah, so wie sie es sonst immer tat.
Auch wunderte die ältere Dame sich, das niemand nach der jungen Frau fragte, niemand zu Besuch kam.
Die Nachbarin klopfte bei ihr aber niemand öffnete, sie wurde unruhig, was war hier los? Sie rief die Polizei, diese nahm sie jedoch nicht ernst.
Erst am nächsten Tag schickten sie jemanden zur Wohnung und fragten bei der Familie der jungen Frau nach.
Dort hörten sie nur Ausreden, sie hätte sich eh nie um die Familie geschert, sie hätte doch immer nur übertrieben wenn sie andeutete wie schlecht es ihr ging.......
Die Beamten öffneten die Wohnung und fanden sie.
Sie hatte ein lächeln auf den Lippen und saß noch genauso dort, wie sie eingeschlafen war, die Klinge noch in der Hand.
Plötzlich hiess es überall, wieso haben wir es nicht erkannt, wieso hat niemand reagiert, wieso hat sie nie was gesagt???

Sie hat es gezeigt und wurde ignoriert.
Sie hat um Hilfe gebeten und wurde abgelehnt.
Sie hat es herausgeschrien und niemand hörte zu.
Manchmal ist Schweigen der lauteste Schrei, Du musst nur lernen zuzuhören, lernen zu sehen, lernen zu helfen.
Die Dinge sind nicht so wie Du sie willst, lerne es die Dinge zu sehen wie sie sind!
Und vorallem, lerne zuzuhören auch wenn Dein Gegenüber stumm bleibt!!!

3.4.07 20:52
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


xX Oc Schischa xX (3.4.07 20:59)
Ey Stephy
so ne traurige story *snief*
sowas kann ya nua von dia kommen :P
aaber das is soo schöön und traurig..mach büdde weita ..deine Bf Schischa <3hdggggdl

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